Zurück Zurück...

Fasching, Fasnacht, Karneval
                Fasnachtsbräuche in Eurpa

Wer kennt sie nicht, die "tollen Tage" vor der christlichen Fastenzeit: Gute Laune ist dabei wichtig, noch wichtiger aber ist die gute Verkleidung. Das war jedoch nicht immer möglich. Ein kleiner Rundgang durch die Welt der Masken.

Die ursprünglichsten Fasnachtsbräuche finden sich heute in ländlichen, katholischen Regionen. So gibt es im Tiroler Telfs etwa das "Schleicherlaufen". Dabei nähert sich ein Schleicher, die Inkarnation des Frühlings, dem "Wilden", einer Symbolfigur der Winterkräfte, um diesen zu bezwingen. Im schwäbisch-alemannischen Raum sind die Fasnachtsfiguren von mittelalterlich-christlicher Symbolik geprägt. Das bunte Fleckenkostüm der "Blätz" zum Beispiel symbolisiert den von Sünden befleckten Leib.

Im Rheinland überlebten die alten Bräuche nur schwer, zu sehr wurden sie von Karnevalkomitees reguliert. Dennoch erinnern die großen Straßenzüge mit stirischen Pappmache-Figuren an die römischen Saturnalien. Das Tanzmariechen und die Garden sind zudem Verballhornung französischer und preußischer Besatzungsmächte, die das Maskentragen einstmals untersagt hatten.

Dass es aber auch in ausgesprochen protestantischen GebietenGebieten ein Fasnachtstreiben gibt, zeigt das schweizerische Basel. Die Basler begehen. ihren berühmten "Morgenstreich" bis zum heutigen Tag am Montag nach Aschermittwoch, und sie feiern ihn mit einer vorbildlichen Disziplin und Ernsthaftigkeit. Die Maskierten ziehen in festen Gruppen durch die Straßen, vorbei an unverkleideten Zuschauern. Im protestantischen England ist dagegen von der Fasnachtstradition nichts erhalten geblieben (wenn man von Masken-festen im Juli und August absieht>.

Der venezianische Karneval ist dafür eine Erfindung neueren Datums. 1797 von Napoleon verboten, wurde er erst 1979 wieder eingeführt. Die Kostüme sind ein Überbleibsel aristokratischer Festkultur der Renaissance- und Barockzeit, Figuren wie der Arlecchino entstammen der Commedia dell'arte. Auch in Wien wurde das Tragen von Masken und Verkleidungen im 18. Jahrhundert untersagt. Zu groß war wohl, die Angst vor Attentaten und Diffamierungen umstürzlerischer Republikaner. Bis heute findet die närrische Zeit deshalb dort nur im Saale statt.

Im französischen Nizza präsentiert sich der Narr wiederum ganz anders:
Im 19. Jahrhundert wurden religiöse und politische Anspielungen untersagt. Als Ersatz schuf man den berühmten Blumenkorso mit Blüten werfenden jungen Frauen, der noch heute abgehalten wird. Wieder anders ist es in Belgien, wo Ostende, Aalst und Binche Hochburgen des Karnevals sind. Gerade in Binche leben uralte Fruchtbarkeitsriten fort. Das Verkleiden ist dabei den Männern vorbehalten, die als "Gilles" in Schellenkostümen durch die Stadt tanzen. Der Winter wird mit dem "Ramon", einem zepterartigen, symbolischen Besen, ausgekehrt.

Auch der Karneval in Rio hat übrigens europäische Wurzeln. Er geht auf den "entrudo", eine eher schmutzige Karnevalsvariante der Kolonialmacht Portugal zurück, bei der man sich mit allerlei Unrat bewarf. Der erste organisierte Maskenumzug fand 184O statt, die farbenfrohen Samba Schulen kamen erst 1928 dazu.

Zurück zum Anfang des Dokumentes Zurück zum Anfang des Dokumentes


email infokloesskoepf.de